Am 4. Februar wird sich Steve „USS“ Cunningham (27 Profikämpfe; 24 Siege, davon 12 durch K.o.) erstmals während seiner Profilaufbahn in Frankfurt am Main im Ring präsentieren. In der Fraport Arena fordert der frühere IBF-Weltmeister den amtierenden Champion Yoan Pablo Hernandez heraus. Beide standen sich schon einmal am 1. Oktober letzten Jahres gegenüber. Damals verbuchte Hernandez das bessere Ende für sich, gewann nach sechs Runden mit einem technischen Punktsieg. Mit der Entscheidung, den Kampf aufgrund einer Cutverletzung bei seinem Gegner abzubrechen, war Cunningham damals nicht einverstanden und protestierte bei der International Boxing Federation. Zwar bestätigte der Weltverband das Punkturteil des Kampfes, dennoch räumte man dem Amerikaner ein Rematch ein. Der auf zwölf Runden angesetzte Rückkampf verspricht also eine Menge an Brisanz und ein Höchstmaß an Spannung - nicht zuletzt weil sich mit Cunningham und Hernandez die Nummer drei und eins der unabhängigen Computer-Weltrangliste „BoxRec“ gegenüberstehen.
Steve "USS" Cunningham ist ein Modellathlet, wie er im Buche steht. Kein einziges Gramm fett weist der Körper des 1,91 Meter großen Amerikaners, der am 15. Juli 1976 geboren wurde, auf. Die ersten Grundlagen für seine starke physische Verfassung legte er in der US Navy. Die kräftezehrende Grundausbildung absolvierte er mit Bravour. Als er später auf einem US-Flugzeugträger eingesetzt wurde - hier war er für die Betankung der Jets und Helikopter zuständig - schloss er sich dem Navy Boxing Team an. Cunningham denkt noch heute gerne an diese Zeit zurück. Mit dem Kampfnamen „USS“ dokumentiert der streng gläubige Sportler noch heute seine Dankbarkeit für die Disziplin, die er während dieser Zeit erlernte.
Gleich in seinem ersten Amateurkampf besiegte Steve Cunningham den amtierenden Halbschwergewichts-Champion der Navy. In der Folge nahm er an zahlreichen Turnieren teil. Einen Platz im Olympia-Team des Jahres 2000 verpasste er denkbar knapp - gegen Michael Simms erlitt er im Viertelfinale der USA National Boxing Championships eine umstrittene Niederlage. Deshalb entschied sich Cunningham noch im gleichen Jahr, zu den Profis zu wechseln.
Nach elf Monaten hatte er bereits elf Siege auf seinem Konto, davon acht durch K.o. In den nächsten Jahren setzte er seinen Siegeszug fort. Im April 2005 besiegte er den späteren WBA-Weltmeister Guillermo Jones nach Punkten, ehe er sich in einem WM-Ausscheidungskampf gegen Kelvin Davis klar durchsetzte. Zum Kampf um die IBF-Weltmeisterschaft musste er nach Warschau reisen, wo er sich im November 2006 ein hartes Gefecht mit Krzysztof Wlodarczyk lieferte. Die Entscheidung der Punktrichter fiel gegensätzlich aus - einer hatte Steve Cunningham 119:109 vorn, die anderen beiden seinen Gegner (115:113, 116:112).
Ein halbes Jahr später standen sich beide Kontrahenten im Rematch noch einmal gegenüber - wieder in Polen. Doch dieses Mal verließ der Amerikaner den Ring als Sieger. In der vierten Runde schlug er Wlodarczyk zu Boden. Am Ende landete er einen Punktsieg (116:112, 115:112, 114:114). „Ich bin am Ziel meiner Träume“, jubelte Cunningham hinterher. „Ich habe gezeigt, dass ich der Beste bin.“
Das bestätigte er im nächsten Kampf. Der Cruisergewichts-Champion reiste zur ersten Titelverteidigung nach Deutschland. In Bielefeld wollte ihm Marco Huck den Titel entreißen. Doch Cunningham wehrte einen Großteil der ungestümen Attacken seines damals jungen Herausforderers - der es später auch zu Weltmeister-Ehren beim Weltverband WBO bringen sollte - ab. In der zwölften Runde schmiss Trainer Ulli Wegner schließlich das Handtuch. „Cunningham war einfach zu stark heute - Marco muss noch viel lernen“, urteilte der Erfolgscoach seinerzeit. Damals wusste Wegner noch nicht, dass sich die Wege Cunninghams und seiner Boxer noch häufiger kreuzen sollten.
In den nächsten beiden Jahren bestritt Cunningham nur zwei Kämpfe. Sein Duell mit Tomasz Adamek hatte es allerdings in sich und war für nicht wenige eines der spannendsten Gefechte im Jahr 2008. In der Arena des Prudential Centers in Newark im US-Bundesstaat New Jersey lieferten sich die beiden ein erbittertes Gefecht. Cunningham war schneller und agiler, musste aber gleich dreimal zu Boden. Am Ende eines denkwürdigen Abends lag er bei einem Punktrichter vorn (114:112), Adamek bei den anderen beiden (116:110 und 115:112).
Im Juli 2009 meldete sich Cunningham mit einem klaren Punktsieg über Wayne Braithwaite zurück. Im Mai 2010 gab er seinen Wechsel von Don King zum Sauerland-Team bekannt, um häufiger in den Ring zu steigen. Und schon einen Monat später durfte er jubeln: In Neubrandenburg besiegte er Troy Ross durch technischen K.o. in der fünften Runde und sicherte sich den zuvor vakanten IBF-Gürtel im Cruisergewicht. Es folgte im Februar 2011 die Titelverteidigung gegen Enad Licina, ehe ihm Yoan Pablo Hernandez - der wie Marco Huck von Ulli Wegner trainiert wird - den WM-Titel im Oktober letzten Jahres entriss. Am 4. Februar kommt es jetzt zur Neuauflage des Weltmeisterschafts-Duells.
Steve Cunningham lebt mit seiner Frau Livvy und seinen drei Kindern (Kennedy, Steve Junior und Cruz - der Name Cruz wurde von den Eltern übrigens in Anlehnung an das Cruisergewicht ausgewählt) in seiner Geburtsstadt Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania. Trainiert wird der 35-Jährige von Naazim Richardson. Der machte sich unter anderem auch als Coach von „Sugar“ Shane Mosley und Bernard Hopkins einen Namen.
Eintrittskarten für die Veranstaltung am 4. Februar in Frankfurt sind über die telefonische Ticket-Hotline 01805-570044 (€ 0,14/min., Mobilfunkpreise max. € 0,42/min.) und im Internet bei www.boxen.com und www.eventim.de erhältlich.

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