Alexander Povetkin erobert den WBA-Gürtel im Schwergewicht! Der 31-Jährige gewann am Samstagabend im Kampf um den zuvor vakanten Titel einstimmig nach Punkten (117:113, 117:113 und 116:112) gegen den früheren WBA-Titelträger Ruslan Chagaev. Damit ist der frühere Amateur-Weltmeister und Olympiasieger nach dem 2,13 Meter großen Nikolai Valuev der zweite Schwergewichtler aus dem Sauerland-Team, der sich diesen Titel erkämpft.

Ausgerechnet Valuev war es, der einst in Stuttgart gegen Chagaev verloren hatte. Doch der Fight in der Erfurter Messehalle stand unter ganz anderen Vorzeichen. Schließlich begegneten sich beide Kontrahenten von der Größe her auf Augenhöhe. Doch Povetkin erwischte dabei den besseren Start. Er war mit der Führhand aktiver und kam schon in den ersten drei Minuten mit einer Schlagkombination durch. Zudem traf er Chagaev an den Seilen mit einer Rechten.

"Am Anfang lief es ganz gut. Ich hatte das Gefühl, dass ich vorne lag. Das gab mir Sicherheit", sagte Povetkin hinterher. "Im Laufe des Kampfes ging es aber hin und her. Am Ende war der Sieg verdient. Ich hatte den Eindruck, dass ich eigentlich immer vorn lag." Und mit seiner Einschätzung hatte er wohl recht. Er erhöhte ab der zweiten Runde das Tempo, agierte variabler. In Runde drei traf er seinen Gegner aus Usbekistan mit einem linken Haken zum Körper hart.

Doch dann wendete sich das Blatt. Im fünften Durchgang wankte der Mann aus Chekhov nach einem Treffer des 32-jährigen Chagaev kurz. In Runde sechs kassierte er erneut zwei harte linke Hände und wackelte. Danach versuchte Povetkin, gleich wieder dagegen zu halten - nicht immer mit Erfolg. In dieser Phase versäumte es der in der Rechtsauslage agierende Schützling von Trainer Michael Timm, mehr Kapital aus der Situation zu schlagen. Das sollte sich rächen.

In der Pause zum siebten Durchgang packte Trainer Teddy Atlas seinen Boxer bei der Ehre. Er erinnerte ihn an dessen im Vorjahr verstorbenen Vater und schrie: "Heute kannst du Geschichte schreiben. Also nutze diese Chance." Das schien Povetkin wachzurütteln. Obwohl sein Widersacher offenbar von der Kondition her besser gerüstet war, zeigte der russische Schwergewichtler die weitaus größere Willensstärke und biss sich bis zum Ende durch.

In der achten Runde war Povetkin dann wieder der bessere Mann. Das galt auch für den neunten Durchgang. Doch Chagaev blieb gefährlich, Unachtsamkeiten in der Deckung bestrafte er meist sofort mit seiner Linken. In der zehnten Runde wirkte Ruslan Chagaev nach einer Rechten selbst angeschlagen, doch auch Povetkin war nicht in der Lage, entscheidend nachzusetzen. Da er aber auch in der Folge nicht nachließ, konnte Chagaev das Blatt nicht mehr wenden.

"Das war ein langer Weg. Aber jetzt hat es Alexander geschafft", jubelte Kalle Sauerland, der Povetkin vor sechs Jahren ins Sauerland-Team geholt hatte, hinterher. "Gerade nach dem Tod von Alexanders Vater im letzten Jahr ging es auf und ab. Doch jetzt ist er am Ziel." Ruslan Chagev war natürlich enttäuscht. Er sagte auf der Pressekonferenz nach dem Kampf: "Das war heute einfach nicht mein Tag. Ich gratuliere Alexander zum Sieg. Doch ich verspreche, ich komme zurück."
Text: www.boxen.com Bilder: www.pressepicture.de
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