Ministerpräsidenten einigen sich auf Kompromiss zum Glücksspielstaatsvertrag
Auslandsschlupflöcher bei der Pferdewette müssen gestopft werden
Die Ministerpräsidentenkonferenz hat sich heute nach harten Verhandlungen auf einen Kompromiss zur Neuregelung des Glücksspiels in Deutschland geeinigt. „Es ist gut, dass jetzt zumindest einmal eine grundsätzliche Richtungsentscheidung getroffen wurde, die hoffentlich auch zu einer für die Pferdezucht und den Rennsport in Deutschland belastbaren Planungsbasis führt“, so Heinz Tell, amtierender Präsident des Hauptverbandes für Traberzucht e.V. (HVT) in Berlin. Pferderennen sind nämlich zuallererst Leistungsprüfungen nach dem Tierzuchtgesetz, erst in zweiter Linie Sportveranstaltungen, und werden daher staatlich gefördert.
„Das Hin und Her der letzten Wochen war nicht immer glücklich. Wir haben aber durchaus Verständnis für das lange Ringen der Politik. Das Glücksspielrecht ist eine sehr komplexe Materie, bei der zahlreiche Interessen zu berücksichtigen und viele Aspekte abzuwägen sind. Klar ist, dass nach den EuGH-Urteilen vom September 2010 auch die Pferdewette unter Berücksichtigung ihrer züchterischen Besonderheiten um einen stärkeren Einbezug in ein kohärentes System des Glücksspielrechts nicht herum kommen wird. Dabei kommt es jedoch entscheidend auf die inhaltlichen Details an. Wir müssen jetzt natürlich erst einmal in Ruhe prüfen, was die aktuelle Richtungsentscheidung für die deutsche Pferdezucht und den deutschen Rennsport konkret bedeutet.“
Kritisch sind nach Auffassung des HVT vor allem die Auslandsschlupflöcher bei Pferdewetten. Diese bestehen, weil man bei Erlass des seit 1922 geltenden Rennwett- und Lotteriegesetzes noch nicht voraussehen konnte, dass es einmal das Internet geben würde und über dieses die Möglichkeit der massiven Verschiebung von Wetten ins Ausland. Diese Verschiebungen haben zu erheblichen Steuereinbußen sowie einem signifikanten Rückgang der Pferdezucht in Deutschland geführt.
Andererseits ist das Wetten im Internet eine Realität, auf die sich auch der Pferderennsport einstellen muss. Die deutsche Traberzucht in Deutschland ist daher klar für das Offenhalten des Internets als wichtigem Vertriebsweg für die Pferdewette und will sowohl das Totalisatorsystem als auch die Buchmacherwette zu festen Kursen unter fairen Bedingungen erhalten. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass alle Totalisator- und Buchmacherwetten – auch die auf ausländische Rennereignisse – wieder in Deutschland gehalten und hier fair besteuert werden
Nach Auffassung des HVT wird die Pferdewette auch um weitere Regelungen im Hinblick auf Themen wie Suchtprävention, Jugend- und Spielerschutz etc. nicht herumkommen, will man eine kohärente und damit auch für die Zukunft belastbare Basis für Zucht und Sport schaffen. Dabei muss jedoch das individuelle Gefährdungspotenzial berücksichtigt werden, Dieses fällt nach einer Studie der Universität Hohenheim bei Pferdewetten deutlich geringer aus als bei anderen Glücksspielformen.
In ihrer Bereitschaft, die Themen „Auslandswetten“ sowie sonstige bisher nicht im Rennwett- und Lotteriegesetz erfasste Punkte unter Berücksichtigung der Spezifika von Pferdewetten angemessen regeln zu lassen, unterscheidet sich die deutsche Traberzucht klar von der Position, die vom DVR – der Schwesterorganisation im Galopprennsport – in den letzten Wochen gegenüber Politik und Medien vertreten wurde.
„Es ist Augenwischerei, von einigen im Rennsport zu glauben, man könne weiterhin Wetten steuerbegünstigt ins Ausland verschieben und den Status-Quo erhalten. Das geht auf Kosten des staatlich gewollten Totalisatorsystems und der wenigen in Deutschland noch verbliebenen Buchmacher. Vor allem entspricht dies nicht den wirklichen Bedürfnissen der deutschen Pferdezucht, da die jetzt geübte Praxis bereits dazu geführt hat, dass der Pferderennsport in Deutschland stark gefährdet ist. Um eine kohärente Regelung wird man nicht herum kommen. Das DVR täte gut daran, gemeinsam mit Politik und Verwaltung nach konstruktiven Lösungen zu suchen, statt medial wild um sich zu schlagen und von eigenen Versäumnissen abzulenken. Dies ist nicht der Stil des Trabrennsports.“ (Heinz Tell)
Hauptverband für Traberzucht e.V., Berlin 6. April 2011