Die höchste Auszeichnung im Boxsport“
Große Ehre für Wilfried Sauer-land: Als zweiter Deutscher nach Max Schmeling ist der Manager in die International Boxing Hall of Fame (IBHOF) berufen worden. Das gab Ed Brophy, der Präsident der IBHOF, am Dienstag auf einer Pressekonferenz in New York bekannt. „Wilfried Sauerland hat sich in den vergangenen 30 Jahren auf außergewöhnliche Art und Weise um den Boxsport verdient gemacht“, so Brophy. „Er hat seinen Platz in der Hall of Fame mehr als verdient. Diese Auszeichnung, welche die höchste im Boxsport ist, würdigt sein Engagement und seine Verdienste.“
Im Juli 2010 wird Sauerland während eines Festaktes offiziell in die Ruhmeshalle eingeführt. „Ich habe mich unglaublich über die Auszeichnung gefreut. Es ist die größte Ehre, die jemandem im Boxen zuteil werden kann, vergleichbar etwa mit einem Oscar“, freut sich Wilfried Sauerland. „Ich konnte es erst gar nicht fassen. Das hätte ich wirklich nicht zu träumen gewagt, als ich vor 30 Jahren in Afrika den ersten Kampf veranstaltet habe.“
Die Ehre gelte aber nicht ihm, sondern allen Mitarbeitern von Sauerland Event. „Ich möchte betonen, dass diese Ehre nicht allein mir, sondern unserem ganzen Team zuteil wird. Denn nur dank der harten Arbeit der Sportler, Trainer und Mitarbeiter von Sauerland Event haben wir den Boxsport in Deutschland etablieren und zum festen Bestandteil der Samstagabend-Unterhaltung machen können.“
2009 war ein besonders erfolgreiches Jahr für das Sauerland-Team. Marco Huck, dessen Titelverteidigung gegen Ola Afolabi vergangenen Samstag in der Spitze über fünf Millionen TV-Zuschauer in der ARD verfolgten, und Sebastian Sylvester wurden zu Weltmeistern. Die Schwergewichts-WM zwischen Nikolai Valuev und David Haye – das Duell „David gegen Goliath“ – zog rund um den Globus Millionen Fans in seinen Bann. Mit dem dänischen Volkshelden Mikkel Kessler schloss sich darüber hinaus ein internationaler Superstar dem Berliner Boxstall an. Zusammen mit Superstar King Arthur Abraham kämpft der „Viking Warrior“ in der Super Six World Boxing Classic um den Titel des besten Super-Mittelgewichtlers der Welt. Ins Leben gerufen wurde die „Champions League des Boxens“ von Kalle Sauerland, der zusammen mit seinem Bruder Nisse längst in die Fußstapfen seines Vaters getreten ist.
BIO WILFRIED SAUERLAND:
Er ist nervös, fiebert mit, leidet, zittert, jubelt - und er kämpft bei jedem Schlag seiner Boxer mit! Mehr als 30 Jahre ist es her, da begann die Erfolgsgeschichte von Wilfried Sauerland als Boxveranstalter. Der Faustkampf war für ihn zuvor keine fremde Sportart. Denn schon als kleiner Junge hatte er sich dafür interessiert, seit ihn sein Vater zu den Kämpfen von Heinz Neuhaus mit nach Dortmund in die Westfalenhalle genommen hatte.
Es war während seiner Zeit als Unternehmer in Afrika, als der am 29. Februar 1940 in Wuppertal geborene Kaufmann enger mit dem Boxsport in Kontakt kam. Eigentlich hatte er den Verkauf von Getränkeanfertigungsanlagen in Afrika im Sinn. Er unterhielt deshalb unter anderem Firmenbüros in Johannesburg, Lusaka, Harare, Nairobi, Lagos und Cotenou. Fabriken in Kenia und Zimbabwe produzierten zudem Ersatzteile für seine Abfüllanlagen. Als Sponsor unterstützte er diverse Fußballmannschaften. Auf einmal trat der damalige sambische Außenminister (und jetzige Staatspräsident) Banda mit einer ungewöhnlichen Bitte an ihn heran. Der deutsche Geschäftsmann sollte sich mit seinen Beziehungen um den Boxer Lottie Mwale kümmern und ihn auch international nach vorne bringen. Und so kam es, dass er am 30. September 1978 in Lusaka erstmals als Boxveranstalter in Erscheinung trat und einen Kampfabend mit Lottie Mwale organisierte. Und Sauerland hatte Glück: Mwale wurde in seiner Heimat ein Superstar und lockte bis zu 70.000 Fans in die Stadien.
Jetzt war er auf einmal mittendrin im Boxgeschäft. Und schon zwei Jahre später folgte die Deutschlandpremiere mit einer Veranstaltung im Kölner Sartorysaal. Vor 600 Zuschauern knockte sein Boxer Chisanda Mutti den deutschen Halbschwergewichtler Uwe Meinicke in der dritten Runde aus. Doch mit den starken Kämpfern aus Afrika, zu denen auch Mwale und wenig später John Mugabi (wurde 1989 WBC-Weltmeister im Halb-Mittelgewicht) aus Uganda gehörten, ließen sich in Deutschland keine großen Arenen füllen. Lokalmatadoren mussten her. Und mit dem späteren Leichtgewichts-Europameister und WAA-Super-Federgewichts-Titelträger René Weller und dem Korbacher Manfred Jassmann fand Wilfried Sauerland endlich zwei deutsche Boxer, die das Interesse des Publikums hierzulande weckten. Graciano Rocchigiani (brachte es unter Sauerland-Regie 1988 erstmals zum IBF-Titel im Super-Mittelgewicht) sollte wenig später folgen. Doch das war nur die Vorstufe zum ganz großen Box-Boom, der in den 90er-Jahren mit der Ära von Henry Maske folgte.
Es war sozusagen der Beginn einer neuen Zeitrechnung im Profiboxen. Die Kämpfe von „Gentleman“ Henry Maske (von März 1993 bis November 1996 IBF-Weltmeister im Halbschwergewicht) und Schwergewichtler Axel Schulz bescherten dem damaligen TV-Partner RTL Rekordeinschaltquoten, so dass die eigentliche Erfolgsstory des Geschäftsmannes auf den Boxsport bezogen erst richtig begann. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Sauerland das Engagement nur Geld gekostet. Jetzt war es an der Zeit, als Manager mit vollen Hallen und zuverlässigen Partnern die Verluste aus den Vorjahren auszugleichen.
Boxen wurde nach der Wiedervereinigung Deutschlands zum Medienereignis, das hat sich auch nach dem Abschied von Maske und Schulz aus dem aktiven Boxsport nicht geändert. Später war es vor allem Sven Ottke, der die Massen in Deutschland mobilisierte und regelmäßig für volle Hallen sorgte. Insgesamt bestritt der Super-Mittelgewichtler 22 WM-Kämpfe, die er durchweg gewann, bevor er seine Karriere im März 2004 in der Magdeburger Bördelandhalle live in der ARD beendete. „Das Phantom“ heimste während seiner Laufbahn gleich zwei WM-Gürtel ein: den der IBF und dazu später den der WBA.
Auch Markus Beyer sollte als mehrfacher WBC-Weltmeister nicht unerwähnt bleiben, obwohl er seinen Super-Mittelgewichts-Titel gleich dreimal wieder verlor. Danach folgte der Aufstieg von Arthur Abraham. Im Dezember 2005 sicherte sich der Mittelgewichtler unter der Regie von Erfolgstrainer Ulli Wegner den IBF-Gürtel, den er zehnmal erfolgreich verteidigte. Seine Popularität bescherte ihm ein Platz in der „Champions League“ des Boxens. Die Super Six World Boxing Classic, die von Sauerland Event mitveranstaltet wird, hält derzeit die Boxwelt in Atem. Neben Abraham ist auch Ex-WBA-Weltmeister Mikkel Kessler im Turnier der besten Super-Mittelgewichtler der Welt dabei. Der weltbekannte Däne schloss sich im Sommer 2009 dem Sauerland-Team an.
Das vergangene Jahr war ein besonderes für Sauerland Event, konnten doch gleich zwei neue Weltmeister gefeiert werden. Marco Huck erkämpfte die WBO-Weltmeisterschaft im Cruisergewicht und Sebastian Sylvester sicherte sich den IBF-Gürtel im Mittelgewicht, den King Arthur nach seinem Aufstieg ins Super-Mittelgewicht niedergelegt hatte. In Zukunft werden auch Ex-Weltmeister Nikolai Valuev, Klitschko-Herausforderer Alexander Povetkin, WBA-/WBC-Weltmeisterin Cecilia Braekhus, Karo Murat, Alexander Frenkel, Yoan Pablo Hernandez und Co. weiter für Furore sorgen.
Sauerland ist besonders stolz, viele Kämpfer ohne große Amateurerfahrung zu Welt- und Europameistern gemacht zu haben. Seine beiden Söhne, Kalle und Nisse, sind längst in die Fußstapfen ihres Vaters getreten. Im Dezember 2009 wurde Sauerland in die International Boxing Hall of Fame berufen. „Diese Auszeichnung gebührt dem gesamten Team“, so Sauerland. „Denn ohne die harte Arbeit der Boxer, der Trainer und allen Mitarbeitern wären wir niemals so erfolgreich gewesen.“
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