Ein wahrer Champion siegt überall auf der Welt
In der Nacht von Samstag auf Sonntag findet in Kalifornien der dritte Erstrundenkampf der Super Six World Boxing Classic statt. In Oakland kämpft Lokalmatador Andre Ward gegen WBA-Weltmeister Mikkel Kessler. Boxen.com hat den 30-jährigen Champion in San Francisco aufgespürt und mit ihm über Rekord-Einschaltquoten, Facebook-Fans und seinen Einstieg ins Millionenturnier gesprochen.
Herr Kessler, Sie sind schon seit Anfang November in Kalifornien. Strahlender Sonnenschein, 20 Grad Celsius und keine Wolke am Himmel – wollten Sie dem schlechten Wetter entfliehen?
Mikkel Kesser (lacht): „Nein. Auch in Kopenhagen, Berlin oder Monaco hätte ich tolle Trainingsbedingungen gehabt. Für mich geht es vielmehr darum, dass sich mein Körper an das Klima und vor allem die Zeitumstellung gewöhnt. Das geht nicht von jetzt auf gleich. Wir waren erst zwei Wochen in Sacramento und sind am Wochenende nach San Francisco gereist. Das Wetter in Kalifornien ist wirklich wunderbar – da macht das harte Training doch gleich etwas mehr Spaß.“
In Ihrer Heimat sind Sie ein Volksheld. Ihr letzter Kampf erreichte einen Marktanteil von 72 Prozent, Ihre Facebook-Seite hat über 125.000 Fans. Die Zeitungen berichten seit Wochen über das Duell mit Ward. Was bedeutet Ihnen die Unterstützung der Heimat?
MK: „Sehr viel. Ich bin sehr dankbar für die tolle Unterstützung und möchte das Vertrauen mit vielen tollen Kämpfen zurückzahlen. Gerade Facebook bietet tolle Möglichkeiten, mit meinen Fans in Kontakt zu treten. Aus San Francisco laden wir täglich neue Bilder und Updates hoch, damit unsere Freunde zuhause immer auf dem Laufenden sind.“
Sie können es sicher kaum erwarten, endlich in das Super-Six-Turnier einzusteigen...
MK: „Sie sagen es. Ich habe Arthurs Kampf in der o2 World am Ring verfolgt und war begeistert von der Atmosphäre und der Stimmung. Er hat schon die ersten Punkte im Sack, genau wie Carl Froch, da wird es langsam Zeit, dass ich nachlege.“
Wie schätzen Sie Ihren Gegner Andre Ward ein? Er ist immerhin seit 1996 ungeschlagen.
MK: „Das stimmt – wer bei den Amateuren und dann im Profibereich so dominant auftritt, der hat einiges auf dem Kasten. Er ist jung, hungrig und schnell. Er ist ein guter Techniker mit einem starken Punch. Und er ist ein Kämpfertyp, aber das bin ich auch. Und ich habe mehr als doppelt so viele Kämpfe wie er. Ich denke, die Erfahrung wird den Unterschied ausmachen.“
Sie sind ein gestandener Champion, haben unter anderem mit Größen wie Joe Calzaghe im Ring gestanden. Welchen Stellenwert nimmt da die „Champions League des Boxens“ ein?
MK: „Dieses Turnier ist eine unglaubliche Sache und wird zurecht als „Champions League“ bezeichnet. Es ist der absolute Höhepunkt meiner Karriere. Ich bin sehr froh, dass mir das Sauerland-Team diese Chance ermöglicht hat. Hier stehen sich die sechs besten Boxer über einen Zeitraum von 18 Monaten gegenüber. Derartiges hat es noch nie gegeben. Am Ende werden alle wissen, wer der beste Super-Mittelgewichtler der Welt ist. Ich bin überzeugt, dass ich das sein werde – auch wenn die Konkurrenz, insbesondere aus Europa, sehr stark ist.“
Wie sehen die letzten Tage vor dem Kampf konkret aus? Worauf liegt jetzt Ihr Fokus?
MK: „Da mein letzter Kampf gegen Gusmyr Perdomo noch nicht allzu lang zurück liegt (12. September), konnte ich die Vorbereitung auf einem sehr hohen Niveau starten. Körperlich bin ich seit geraumer Zeit in sehr guter Verfassung, nun geht es primär darum, die Form beizubehalten, sich zu entspannen und sich mental auf den Kampf vorzubereiten.“
In der Oracle Arena werden 20.000 amerikanische Fans erwartet, die Andre Ward zum Sieg schreien wollen...
MK: „Ich freue mich, in so einem Hexenkessel boxen zu dürfen. Das ist es doch, wonach man als Sportler strebt – die großen Kämpfe vor einem großen Publikum. Ich bin erfahren genug, um damit umzugehen und meinen Gürtel wieder mit nach Hause zu nehmen.“
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